Märchenbuch

 

 

Link zum Bericht der Heilbronner Stimme

Link zum Bericht der Herzkinder Unterland e. V.

 

Auszug aus dem Buch Seite 6 und 7:

Doch dann hörte ich ein Summen über mir: "Hallo, was ist denn passiert?" Es war Bienchen Bigi, die mir helfen wollte. Oma Anni erzählte ihr mein großes Malheur. Wie sollte mir Bienchen denn helfen? Würde sie mich etwa stechen? "Nein wo denkst du hin. Wir Bienen stechen nur, wenn wir uns bedroht fühlen", beruhigte sie mich. "Wir tun viel Gutes, wir liefern nicht nur Honig, sondern wir haben auch wertvolle Heilsalbe in unseren Bienenwaben. Das ist die allerbeste Hilfe, die ich dir geben kann. Und diese hole ich dir jetzt", erklärte mir Bienchen Bigi und flog geschwind zu ihrem Bienenstockhaus, um mir die Salbe zu holen. Damit wurde mein Mäuseringelschwänzchen und mein Oberschenkel eingesalbt. Aus Grashalmen fertigte sie mir eine Bandage für mein Schwänzchen. Ihre Hilfe war grandios und Bienchen Bigi war eine dufte Biene, dachte ich so bei mir. Oma und Opa sahen das wohl genauso und beschlossen, dass wir für immer an diesem Ort bleiben sollten. Die wunderbare Nächstenliebe von Bigi hatte sie tief gerührt. An diesem Ort fühlten wir uns wohl. Der Ort bestand aus Ackerland und Obstplantagen. Man nannte diese Gegend Breitenau.
Und doch überfiel mich ein wahnsinniges Heimweh nach Mama und Papa, weil ich durch diese Geschichte zum Waisenkind geworden bin. Als nämlich der Unfall mit dem Traktor passierte, hatte ich ja so laut geschrieen und dabei vergessen, mir den Heimweg zu merken. Ich habe meine Geschichte auch Anton Weinbergdrossel erzählt, als er eines Tages von einem Rundflug aus den Löwensteiner Bergen zurückkehrte. Ich erzählte ihm auch, dass ich Porky Mäuslein bin und dass mich alle so nennen, weil ich ein rosa Öhrchen habe. Eigentlich heiße ich ja Klara, aber niemand nennt mich so. Ich fragte Anton Weinbergdrossel, ob er auch an diesem Ort wohne, denn ich hatte ihn schon oft zwitschern gehört. "Ja, Porky, hier wohne ich. Meine Familie ist an diesem Häuschen sesshaft, das ist unser heimeliges Nest."

Auszug aus dem Buch Seite 46 + 47:

Sie grölten vor lauter Lachen. Anton wurde es zu anstrengend: "Ich habe jetzt keine Lust mehr zu spielen." Er war total bockig. Osi-Leo ermahnte Anton, damit er sich vor den Kindern gut benehme: "Was sollen die Kinder von uns denken. Sei freundlich, ohne Freundlichkeit geht nix." Ich kuschelte mich an Osi-Leo und bemerkte, dass er streng roch. "Das ist doch kein Wunder bei dieser Hitze, ich brauche jetzt eine Abkühlung und möchte mich auch waschen." Gesagt, getan. Mit Osi-Leos Lenkdrachen flogen wir zum schattigen Wald bei der Burg Löwenstein. Unterwegs machten wir Rast beim Teusser-Bad Wasserschlösschen und tranken das kühle Wasser, das aus der Quelle floss. Nirgendwo sonst schmeckte uns das Wasser so gut wie dort.
Osi-Leo war ein wenig mit mir beleidigt wegen meiner Bemerkung, dass er streng riechen würde. Ich wollte das wieder gutmachen und schmeichelte mich bei ihm ein, um ihn versöhnlich zu stimmen: "Du siehst heute umwerfend aus." Als wir auf dem Burgareal gelandet waren, flog Anton zu den Totempfählen, die am Burgweg standen und wie bunte Zauberfelsen aussahen. "Was sind das für Riesen? Sind wir hier bei den Indianern?" Anton begann wie ein echter Indianer Laute von sich zu geben und einen Freudentanz aufzuführen. Ich wollte unbedingt auf dem Totempfahl sitzen. "Hole mich hoch, ich will auch da oben sitzen", befahl ich Anton. Doch der zeigte sich ungehalten: "Ich will, ich will, wie heißt das Zauberwort?" Reumütig wiederholte ich meine Bitte. Osi-Leo hatte von unserem Disput nichts mitbekommen, andächtig blickte er auf die reich verzierten Totempfähle: "Nur wahre Künstler, die im Land der Phantasie zu Hause sind, können solche Skulpturen erschaffen." Wir genossen noch die schöne Aussicht auf den Breitenauer See mit seiner malerischen Kulisse. Wir besangen gemeinsam unsere schöne Heimat um Unterland, bevor wir unseren Heimweg antraten. Ich fragte Osi-Leo, ob wir uns morgen wieder sehen würden. Er hatte keine Zeit, denn morgen war verkaufsoffener Sonntag in Obersulm und an diesem Tag war Osi-Leo ausgebucht. Er verschenkte Luftballons an Kinder, um sich ein Taschengeld zu verdienen. "Ohne Moos nix los", wusste Osi-Leo.
Am nächsten Tag trafen wir uns bei der Rotbuche im Steinernen Wäldle. Dort weidete eine Schafherde. Wir machten uns einen Spaß daraus, es den Schafen gleichzutun und blökten um die Wette. Osi-Leo spielte den Schafhammel am Besten. Plötzlich erschrak ich fürchterlich. Ich hatte Wildschweine entdeckt. Anton wollte mir das nicht so recht glauben: "Porky, du hast nicht nur ein rosa Ohr, sondern auch eine rosa Brille auf. Das sind doch keine Wildschweine, das sind Schafe." Nur Osi-Leo gab mir recht. Er hatte die Wildschweine auch erblickt. Sie bewegten sich nicht, sie standen da wie angeklebt. Waren sie versteinert? Waren sie aus dem Ort Hölzern? Anton verlor die Geduld mit mir: "Du bist dumm, nur dumm, die sind aus Holz geschnitzt." Ich war entsetzt, als ich mir die Wildschweine näher anschaute: "Denen fehlen ja die Ohren, die können gar nichts hören." Osi-Leo hatte dafür eine Erklärung: "Da sind kleine Löcher, die hatten irgendwann einmal Ohren. Aber irgendwelche Irren haben die Ohren abgebrochen."
Unser abenteuerlicher Ausflug, der durch den dunklen Wald führte, war noch lange nicht beendet. Es gab viel zu erkunden. Auf dem Weg zur Burg Löwenstein gab es einen märchenhaften Pfad. In den Bäumen hingen Windspiele, die wunderzarte Klänge wie aus Fernost zauberten. An den Bäumen hingen auch Klangstäbe und Harfen. Für die Schmetterlinge waren die Instrumente das reine Vergnügen. Plötzlich erblickte ich inmitten des Weges eine Schlange und rief Anton und Osi-Leo zu Hilfe. Doch die beiden konnten mich sofort beruhigen. Die Schlange war aus einem großen Baumstamm gehauen. Dieser Tag steckte voller Erlebnisse. Wir liefen den Waldhang hinab, als ich einen riesigen Fliegenpilz und einen Thron erblickte: "Ist das der Thron von Bienenkönigin Sissi, der Chefin von Bienchen Bigi", fragte ich neugierig. "So ein Blödsinn", antwortete Anton. Das war der Zwergenthron. Dort saß abends der Märchenerzähler Muckel und las den Wichteln und Gnomen Geschichten vor. Immer, wenn ein fremder Wanderer sich auf den Thron setzt, muss er eine selbst erfundene Geschichte erzählen. "Falls er dieses nicht tut, stirbt er dann ?" wollte ich von Anton wissen. Nein, sterben musste niemand. Der Märchenwald war einfach fabelhaft und dort herrschten andere Gesetze und Gebräuche.

Martina Stephani Poggel lebt im Weinsberger Tal, wo sie als selbstständige Fotografin arbeitet.

Die Geschichte von Porky Maus und Anton Weinbergdrossel schrieb sie während eines Ferienaufenthaltes nieder.

Die märchenhafte Geschichte handelt von Tieren, die am Breitenauer See leben und die auf schmerzliche Weise erfahren müssen, wie wichtig wahre Freundschaft ist. Das Buch kann im Foto-Geschäft erworben werden.

 

Bei Amazon bestellen